OMICRON Magazin

Ausgabe 1 2024 Magazin VIBROAKUSTISCHE MESSUNGEN IN LASTSTUFENSCHALTERN

OMICRON electronics GmbH, Oberes Ried 1, 6833 Klaus (AT) OMICRON electronics GmbH up! consulting, Industriering 10, 9491 Ruggell (FL) OMICRON electronics GmbH, OBRE (S. 4, 6–8), BASF (S. 4, 10–13), iStock.com (S. 4–5, 22, 26–28, 37–39, 42), TEİAŞ Turkish Electricity (S. 23, 24), Schluchseewerk AG (S. 32–33), LTD Tranfiber-Service (S. 36), CIGRE (S. 43) magazine@omicronenergy.com Herausgeber Verantwortlich für den Inhalt Redaktion und Umsetzung Bildnachweis E-Mail an die Redaktion LIEBE LESER:INNEN, in dieser Ausgabe nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die faszinierende Welt der Technologie und Innovation. Wir präsentieren Ihnen eine Auswahl an Artikeln, die nicht nur Einblick in unsere neueste Entwicklungen geben, sondern auch deren praktische Relevanz für Sie beleuchten. Wir beginnen mit einer Analyse der Herausforderungen, denen wir uns langfristig gemeinsam gegenübersehen. Der Artikel auf Seite 26 beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen im Energiesektor und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Hier erhalten Sie wertvolle Einblicke in die Komplexität des Themas und erfahren, wie innovative Lösungsansätze dazu beitragen können, zukünftige Versorgungsengpässe zu vermeiden. Weiter geht es mit einem Artikel in Zusammenarbeit mit unserem Kunden BASF. Dieser Beitrag beleuchtet, wie eines der größten Chemieunternehmen der Welt Daten nutzt, um seine Prozesse zu optimieren und gleichzeitig Nachhaltigkeit und Effizienz zu steigern. Ein faszinierender Einblick hinter die Kulissen zeigt, wie Datenanalyse und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Ein weiterer Höhepunkt ist der Bericht über die Entwicklung einer neuen Messmethode für kapazitive Spannungswandler. Auf Seite 32 entdecken Sie, wie Präzision in der Elektrotechnik nicht nur zur Effizienzsteigerung beiträgt, sondern auch die Sicherheit erhöht. Zudem werfen wir einen Blick auf die Bedeutung von Zertifizierungen am Beispiel des kürzlich erhaltenen BSI-Zertifikats für unser Angriffserkennungssystem StationGuard. Erfahren Sie, wie ein kleines Siegel große Bedeutung für die Qualitätssicherung hat und warum es für uns mehr als nur ein Zertifikat ist. Zusammenfassend verbindet jede dieser Geschichten ein zentrales Thema: Innovation und deren Einfluss auf unsere Zukunft. Ob es um die Herausforderungen bei Service- und 2

Magazin | Ausgabe 1 2024 Albert Einstein »Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt, während die Fantasie die ganze Welt umfasst, den Fortschritt anregt und der Evolution Leben gibt.« Reparaturanfragen, die transformative Kraft der Datennutzung, die Präzision in der Messtechnik oder die Bedeutung von Zertifizierungen geht – alle Artikel beleuchten, wie technologische Fortschritte und kluge Strategien uns helfen, die Herausforderungen von morgen gemeinsam zu meistern. Ich hoffe, dass diese Ausgabe des OMICRON Magazins Sie bereichern und inspirieren wird. Feedback zu dieser Ausgabe hilft uns, immer besser zu werden – teilen Sie mir Ihre Gedanken mit. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen, Lia Thum Editor in Chief, OMICRON Magazine 3

INHALT 9 ASH1 – höchste Flexibilität für optische Abtastköpfe Unser neuer Adapter für den Anschluss von optischen Abtastköpfen über Binäreingänge. 10 Bereit für die Herausforderungen einer emissionsfreien Zukunft Gemeinsam mit OMICRON zeigt BASF wie eine neue Daten- und Prüfstrategie erfolgreich eingeführt werden kann. 20 Unsere Cybersicherheit ist ausgezeichnet Wir erhalten das Sicherheits‑ zertifikat des BSI. 14 Schwanensee mit Prüfgeräten Wir eröffnen weltweit neue Service Hubs für Sie. 22 Wie vorgehen, wenn bei Leistungstransformatoren Isolationsfehler vermutet werden? 18 Sehen und verstehen Mehr Durchblick mit CPOL3 bei der Verdrahtungsprüfung. 6 Good vibrations Hören Sie Ihrem Laststufenschalter zu – es könnte sein, dass er Ihnen etwas sagen möchte. 4

Magazin | Ausgabe 1 2024 WISSEN SUPPORT INNOVATION QUALITÄT 30 Leistungsschalterprüfungen rund um die Welt Wie werden Leistungsschalter auf den verschiedenen Kontinenten geprüft? 32 Nach dem Blackout kommt der Schwarzstart 36 Vor Ort: OMICRON in Georgien Ivane Sachaleli von LTD Tranfiber-Service berichtet, wie er den Energiesektor sieht. 26 Die Vielfalt des Mangels Auswirkungen der Komponentenkrise auf die Energiebranche. 38 Bestimmung der C-Teiler-­ Kapazitäten eines kapazitiven Spannungswandlers Entwicklung einer neuen Messmethode. 29 Was ist neu in Test Universe 4.40? Mehr Spielraum für Ihre Prüfungen. 42 Ein lohnenswertes Engagement Warum es sinnvoll ist, sich in Fachverbänden für Elektrotechnik zu engagieren. 5

GOOD VIBRATIONS Hören Sie Ihrem Laststufenschalter zu – es könnte sein, dass er Ihnen etwas sagen möchte. Der Laststufenschalter (On-Load Tap Changer, OLTC) ist eine äußerst wichtige Komponente in Leistungstransformatoren, die dazu beiträgt, die Spannung im Stromnetz stabil zu halten. Er reguliert die Wandlerübersetzung, die wiederum die Systemspannung reguliert. Für die Diagnose der statischen und dynamischen Eigenschaften des Laststufenschalters gibt es verschiedene Methoden. Während Messungen des DC-Wicklungswiderstands Verschleißerscheinungen an den Hauptkontakten zutage fördern, können dynamische Widerstandsmessungen Anzeichen für Änderungen beim Zeitverhalten und Stromunterbrechungen während des Schaltvorgangs liefern. Neu im Diagnosewerkzeugkasten sind vibroakustische Messungen (VAMs), die bei Schaltvorgängen entstehende Vibrationen aufzeichnen. Auf diese Weise lassen sich alle OLTC-Komponenten analysieren und bewerten, die einen bestimmten Vibrationspegel erzeugen. Es ist sogar möglich, VAMs mit unseren bewährten dynamischen Widerstandsmessungen (DRMs) zu kombinieren, um besonders eingehende Zustandsbewertungen vorzunehmen. Für bestmögliche Ergebnisse empfiehlt es sich, die VAM- und DRMMesswerte mit Referenzdaten zu vergleichen. Diese können 6

Magazin | Ausgabe 1 2024 entweder vom selben Gerät oder von einem vergleichbaren Schwestergerät stammen. Die VAM-Signale werden mithilfe von Sensoren erfasst, die mit Magneten am Tank des Leistungstransformators befestigt wurden. Diese Art der Verbindung erlaubt die Aufzeichnung von Vibrationssignalen bei laufendem Leistungstransformatorbetrieb. Etwaige Veränderungen bei der mechanischen Unversehrtheit der OLTCs können so auch zwischen den Wartungszyklen festgestellt werden – frühzeitig und ohne Unterbrechung des Betriebs. Auf diese Weise helfen VAMs dabei zu bestimmen, welche Einheiten bei der Wartungsplanung Priorität haben sollen. Um mehr zu diesem Thema zu erfahren, haben wir mit Paweł Molenda gesprochen, Vorstandsmitglied und stellvertretender technischer Direktor beim polnischen Unternehmen OBRE. Er führt Vor-Ort-Diagnoseprüfungen an Leistungstransformatoren durch und berät bei technischen Fragen zu Transformatoren und Hochspannungsausrüstung. Insbesondere interessierten uns seine Erfahrungen mit TESTRANO 600 und VAM1 bei der Wartung verschiedener Laststufenschalter. Paweł Molenda und sein Team haben gemeinsam mit Tomasz Bednarczyk, Application Engineer bei OMICRON, eine Reihe vibroakustischer Messungen durchgeführt, um genauere Auskunft über den Zustand der OLTCs zu erhalten. Was gehört bei OBRE zu einer typischen Prüfung eines Leistungstransformators? Paweł Molenda: Umfang und Zweck der Prüfung müssen auf den Kunden zugeschnitten sein. Unsere Vor-Ort-Messungen umfassen sowohl periodische Messungen als auch Messungen nach der Installation und Messungen nach einem Ausfall. Dazu gehört das Prüfen des Isolationszustands mithilfe von Polarisationsverfahren und das Messen von Teilentladungen mit elektrischen und akustischen Methoden. Wir bieten unseren Kunden also alle Arten von Diagnosemessungen an – von einfachen elektrischen Prüfungen bis hin zu eingehenden Zustandsbewertungen. Bei unseren Messungen halten wir uns an die IEC- und IEEE-Normen und wir berücksichtigen die Vorgaben und Anforderungen der Kunden. »Vibroakustische Messungen sind eine gute Methode für eine Erstdiagnose von Laststufenschaltern und ermöglichen eine schnelle und kosteneffiziente erste Bewertung.« Paweł Molenda, Deputy technical director, OBRE Tomasz Bednarczyk, Application Engineer, OMICRON 7

Was tun Sie typischerweise bei einer OLTC-Wartung, um dafür zu sorgen, dass die OLTCs ordnungsgemäß funktionieren und möglichst lange halten? Zur Bewertung von OLTCs führen wir DRM-Messungen durch und unterziehen die Lastumschaltereinsätze (Diverter Switch Inserts, DSIs) einer internen Inspektion. Wir passen dabei die Diagnoseverfahren an die Zahl der OLTC-Schaltvorgänge an. Als Erstes führen wir oszillographische Messungen (DRM) durch. Anschließend wird intern der Stufenschalterkopf inspiziert und wir prüfen die Qualität der Haupt- und Hilfskontakte sowie die Federn. Zum Abschluss werden noch einmal oszillographische Messungen durchgeführt, um das korrekte Funktionieren des Betriebsmittels sicherzustellen. Durch diese Messungen können wir den Wartungsumfang anpassen, um die Lebensdauer des OLTC zu verlängern. Wie viel Erfahrung haben Sie mit dynamischen Widerstandsmessungen und vibroakustischen Messungen ​ an OLTCs? Oszillographische Messungen führen wir seit 20 Jahren durch, und vibroakustische Messungen an OLTCs gehören jetzt seit einem Jahr zu unserem Geschäft. Für diese Art von Messung haben wir früher häufig unser MT3-Gerät genutzt. Seit einigen Jahren verwenden wir aber nur noch Messgeräte von OMICRON, und durch die Einführung vibroakustischer Messungen an OLTCs und unsere Zusammenarbeit mit OMICRON konnten wir unsere ​Erfahrungen weiter ausbauen. Welche Vorteile haben diese Methoden und wo liegen ihre Grenzen? Messungen sind der erste Schritt bei der Bewertung des technischen Zustands von Laststufenschaltern. Auf diese Weise kann schnell und kosteneffizient eine Erstbewertung des Zustands des Betriebsmittels vorgenommen werden. Für eine korrekte Beurteilung des Laststufenschalters muss aber der Zustand der Kontakte und der Mechanismus des OLTC intern inspiziert und visuell geprüft werden. In welchen Phasen des Wartungszyklus wenden Sie diese Methoden an und wie interpretieren und analysieren Sie die Ergebnisse? In der Regel werden sie vor und nach Wartungsarbeiten durchgeführt, aber manchmal können sie auch zwischen den turnusmäßigen Inspektionen und elektrischen Messungen stattfinden, wenn eine häufigere Messung erforderlich ist. Wir vergleichen dann die Messergebnisse mit den Standards unserer Kunden, den einschlägigen Normen, ähnlichen Schaltern und unseren Erfahrungswerten. Erleichtern die OLTC-Messungen die Wartung und die Wartungsplanung für die Einheit? Ja, absolut. OLTC-Messungen helfen bei der Vorhersage von Betriebszeiten und Reparaturnotwendigkeiten, und die im laufenden Betrieb durchgeführte vibroakustische Messung ist eine schnelle Methode für die Erstdiagnose von Stufenschaltern. Diese Methoden ermöglichen eine schnelle und kosteneffiziente Erstbewertung des Zustands der OLTCs, was helfen kann, kostspielige Ausfallzeiten und Reparaturen in der Zukunft zu vermeiden. In einigen Fällen können bei Messungen zwischen den Leistungstransformatorinspektionen Defekte am Lastumschaltereinsatz früher diagnostiziert werden, und die vibroakustische Messung kann dazu beitragen, Probleme beim technischen Zustand des OLTC viel früher zu erkennen, ohne den Transformator außer Betrieb zu nehmen und eine kostspielige Inspektion durchzuführen. Bei einer weiteren Verfeinerung der Methode und Analyse der Ergebnisse können vibroakustische Messungen während des laufenden Betriebs in der Zukunft eine hervorragende Unterstützung bei der Planung der Wartung von OLTCs darstellen. Vielen Dank für das Gespräch. 8

Magazin | Ausgabe 1 2024 MEHR MÖGLICHKEITEN FÜR IHR GERÄT ASH1 ermöglicht den Anschluss eines optischen Abtastkopfes an Binäreingänge, sodass jetzt auch Geräte für die Relaisprüfung genutzt werden können, die bisher nicht dafür infrage kamen. So können Sie jetzt z. B. mit dem COMPANO 100 die LED-Anzeigen von Schutzrelais in Binärsignale umwandeln, die dann in Prüfsequenzen für Bewertungen oder Triggerbedingungen verwendet werden können. Die Kombination aus dem batteriebetriebenen, tragbaren COMPANO 100 und dem universell montierbaren optischen Abtastkopf OSH 256R für Relaisprüfungen eignet sich ideal für mobile und flexible Prüfungen. MEHR EFFIZIENZ Mit dem ASH1 können Sie mehr als einen Abtastkopf für die Zählerprüfung an die Binäreingänge Ihres Prüfgeräts, z. B. des CMC 430, anschließen. Sie können so Wirk- und Blindenergieimpulse zählen, ohne die Position des Abtastkopfs ändern zu müssen. Das macht das Prüfen effizienter. Um Sie für Ihre Zählerprüfungen mit dem richtigen Abtastkopf auszustatten, bieten wir Ihnen drei verschiedene Sets zum Zählen der optischen LED-Impulse von digitalen Zählern bzw. der Läuferscheibenmarkierungen elektromechanischer Zähler an. omicron.energy/ahs1 Optische Abtastköpfe werden in der Regel zum Zählen optischer Energieimpulse bei der Prüfung von Elektrizitätszählern mit einem CMC oder einem ähnlichen Prüfgerät verwendet. Abtastköpfe können auch die durch LEDs angezeigten Statusinformationen von Schutzrelais lesen und für die Prüfung in Binärsignale umwandeln. Die folgenden Beispiele zeigen, wie der Adapter ASH1 mit seinen neuen Möglichkeiten auch für Sie von Nutzen sein kann. OSH 256R, montiert auf einem Schutzrelais ASH1 – HÖCHSTE FLEXIBILITÄT FÜR OPTISCHE ABTASTKÖPFE Unser neuer Adapter für den Anschluss von optischen Abtastköpfen über Binäreingänge. Adapter ASH1 9

BEREIT FÜR DIE HERAUSFORDERUNGEN EINER EMISSIONSFREIEN ZUKUNFT Gemeinsam mit OMICRON zeigt BASF wie eine neue Daten- und Prüfstrategie erfolgreich eingeführt werden kann. 10

Magazin | Ausgabe 1 2024 Der Standort Ludwigshafen der BASF stellt das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt dar. Es umfasst eine Fläche von 8 km2 und rund 39 000 Mitarbeiter:innen. Neben einem Anschluss an das Netz von Amprion verfügt der Standort über drei eigene Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund einem Gigawatt. Derzeit werden auf dem gesamten Areal etwa sechs Terrawattstunden an Energie pro Jahr und eine durchschnittliche elektrische Leistung von 750 Megawatt benötigt, bei einer Leistungsdichte von etwa 100 MW/km2. Die Stromversorgung des Geländes umfasst: › > 20 Anlagen im Übertragungsnetz › > 160 Anlagen im Verteilnetz › > 4 900 Schaltfelder › > 6 400 Schutzgeräte Verschiedene Gerätegenerationen, -hersteller und -typen als auch der Einsatz verschiedener Schutzkonzepte tragen zusätzlich zur bereits komplexen Ist-Situation bei. Der Aufwand für die Wartung der gesamten Anlageninfrastruktur ist entsprechend hoch und herausfordernd. Allerdings bietet der schiere Umfang auch ein enormes Potential für Optimierungen in Bezug auf die Prüfstrategie und -abläufe. Im Bestreben mit den verfügbaren Ressourcen die bisherigen Aufgaben im Bereich der Schutztechnik auf eine neues Niveau zu heben, haben Svenja Rogalski und Christian Schumacher mit ihrem Team die Situation im Detail analysiert und ein ambitioniertes Projekt initiiert. Gemeinsam mit uns hat das Projektteam darauf aufbauend eine neue Daten- und Prüfstrategie erarbeitet. Die Ziele wurden klar definiert: › Einerseits soll die Basis für eine höhere Daten- und Prüfqualität geschaffen werden, um damit die Effizienz der eingesetzten Ressourcen zu erhöhen. › Andererseits soll die Entstörung und der Netzausbau für die bevorstehende Energietransformation mit dem bestehenden Team ermöglicht werden. Im Mittelpunkt steht dabei unsere DatenmanagementLösung ADMO, die eine einfache Verwaltung von Betriebsmitteln, Konfigurationen, Prüfvorlagen sowie -ergebnissen ermöglicht und deren Qualität sicherstellt. Keine Transformation ohne Herausforderungen Bei der oben beschriebenen Situation handelt es sich allerdings nur um die Ausgangslage. BASF hat sich für die kommenden Jahrzehnte das unternehmensweite Ziel gesetzt seine Treibhausgasemissionen auf Netto-Null zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die elektrische Anschlussleistung auf einen Durchschnittswert von 1,5 Gigawatt verdoppelt werden. Damit verbunden sind Herausforderungen sowohl für die Bereitstellung, die Übertragung als auch für die Verteilung der Energie. Der hohe Bedarf ergibt sich aus dem angestrebten Technologiewechsel, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. In Zukunft wird BASF auf industrielle Wärmepumpen und Kompressoren, sowie elektrisch beheizte »Das Team war mit vollem Einsatz dabei und der Spaß beim Schutzprüfen war wieder deutlich zu spüren. Die Möglichkeit die neuen Abläufe selbst mitzugestalten, hat alle angetrieben.« Christian Schumacher, BASF 11

Steamcracker-Öfen setzen. Für die CO2-neutrale Erzeugung von Wasserstoff kommen zwei Verfahren zum Einsatz: Wasser-Elektrolyse und Methanpyrolyse. Die Energie-Infrastruktur muss dafür entsprechend wachsen. Der Neu- und Ausbau bestehender Netze und Schaltanlagen auf dem BASF-Gelände ist daher eine notwendige Voraussetzung. Eine Konsequenz sind viele zusätzliche Betriebsmittel, die nicht nur in Betrieb genommen, sondern anschließend auch alle fünf Jahre gewartet werden müssen. Ablauf der bisherigen Prüfstrategie Während der Vorbereitung nahm das Projektteam zuerst die bestehende Prüfstrategie unter die Lupe. Bisher wurden Schutzprotokolle aus MS Excel-Vorlagen erstellt, die in einem Formular sowohl das Einstellblatt als auch das Prüfprotokoll zusammenführten. Die Befüllung dieser MS Excel-Vorlagen erfolgte teilautomatisiert mithilfe der Betriebsmitteldatenbank. Alle Grunddaten, wie Schutzgerätetyp, Wandlerverhältnis etc., für den jeweils zu prüfenden Fall wurden kontrolliert und in der Regel per Email an die Prüfer:innen versendet. Das finale Schutzprotokoll wurde anschließend vom Prüfpersonal in ausgedruckter Form mit in die Anlage genommen. Das jeweilige Teammitglied führte die Prüfung durch, hielt die entsprechenden Werte im Schutzprotokoll fest und unterschrieb dieses am Ende von Hand. Anschließend wurde das Dokument eingescannt und in der Betriebsmitteldatenbank abgelegt. Die bisherige Prüfstrategie beinhaltete folgende Nachteile: › unterschiedliche Prüfprozesse zwischen den zuständigen Prüfteams für Übertragungs- und Verteilnetz › fehlende Toleranzvorgaben bei den Prüfpunkten › sehr wenige Prüfpunkte › generelle Unsicherheiten in Bezug auf Prüfablauf und -ergebnisse bei den Schutzprüfer:innen › unvollständige Qualitätssicherung der vielen manuellen Arbeitsprozesse › keine verlässliche Datenquelle aufgrund einer fehlenden einheitlichen und nachvollziehbaren Dokumentation Weichenstellung für die Zukunft Bei der Erarbeitung der neuen Prüfstrategie auf Basis von ADMO standen Stefan Schöner und Michael Albert von OMICRON dem Projektteam beratend zur Seite. Der Fokus lag dabei auf der Sicherstellung einheitlicher Arbeitsprozesse über alle Prüfteams hinweg und ganz allgemein auf einer Steigerung der Datenqualität. Beides Bereiche in denen unsere DatenmanagementLösung ADMO in Kombination mit Test Universe und den CMCPrüfgeräten die Endanwender:innen optimal unterstützen kann. Auf dieser Basis wurden und werden im Rahmen des noch laufenden Projektes für den ganzen Standort einheitliche Schutzprüfungen definiert. Diese sind für alle Teams leicht nachvollziehbar, da detailliert ausgearbeitete Prüfvorlagen und -anleitungen zur Verfügung stehen. Zusätzlich können diese im weiteren Verlauf mit bereits durchgeführten Prüfungen eins zu eins verglichen werden. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass die vorhandenen Unsicherheiten unter den Schutzprüfer:innen abnahmen. Als zentraler Ablageort stellt ADMO alle notwendigen Relais- und Prüfdokumente zur Verfügung. Ebenso entfällt eine händische Erfassung von Prüfergebnissen. Diese werden mit der zentralen ADMO-Datenbank automatisch synchroniSchematische Struktur des Stromnetzes am Standort Ludwigshafen 220 kV 220 kV Verbraucher 400 V, 500 V, 690 V Verbraucher Verbraucher 20 kV 10 kV 6 kV 110 kV BASF Werk M M M M M M BASF-Kraftwerke zur eigenen Dampf- und Stromproduktion Einspeisung aus dem externen Verbundnetz 12

Magazin | Ausgabe 1 2024 siert und sicher abgelegt, sobald sich die Prüfenden mit dem Firmennetzwerk verbinden. Durch den Wegfall manueller Eingriffe wird die daraus entstehende Datenbasis und die Aussagekraft darauf basierender Datenanalysen verbessert. In der Zukunft ermöglicht der Vergleich einheitlich erhobener Daten zudem fundiertere Aussagen über die Entwicklung und den Zustand der Betriebsmittel. Weitere Vorteile kommen bei BASF in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern zum Tragen: › Sowohl bei Inbetriebnahme- als auch Wiederholungsprüfungen lassen sich Projektdaten sicher, nachvollziehbar und vollständig übergeben. › Die Leistungsbeschreibung und der Umfang der gewünschten Prüfungen können anhand von Vorlagen und Protokollen eindeutig vorgegeben werden. › Sämtliche Änderungen sind umfassend und zuverlässig dokumentiert. Die Erarbeitung einer neuen Prüfstrategie, wie bei BASF, ist initial immer mit einem gewissen Aufwand verbunden. Sie generiert aber sehr schnell erhebliche Vorteile, insbesondere hinsichtlich effizienterer Abläufe bei der Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation von Prüfungen. Bereit für Phase 3 Die Umsetzung des Projekts wurde in drei Phasen untergliedert. Die Phasen 1 und 2 hat BASF bereits erfolgreich gemeinsam mit uns umgesetzt. Im Mittelpunkt stand die Erhebung der Ist-Situation inklusive des Wissensstands der Belegschaft, der Wissenstransfer und die Ausarbeitung der ersten Applikationsvorlagen. Mit unseren Schulungen zu den Grundlagen der Schutztechnik, Definition einer Prüfspezifikation und unseren Empfehlungen zu Prüfstrategien, brachten wir alle Schutztechniker:innen auf den gleichen Wissensstand. Auf dieser Basis erfolgte im Anschluss die Erarbeitung der Prüfvorlagen in mehreren Arbeitsgruppen. Für das Verteilnetz wurden Prüfvorlagen für AMZ/UMZ-, Leitungsdifferential- und Motorschutz erstellt. Für das Übertragungsnetz stehen inzwischen Vorlagen für den Distanz-, Trafo-Differential- und Sammelschienenschutz zur Verfügung. In der laufenden Projektphase 3 treibt BASF die Umsetzung der neuen Prüfstrategie bereits komplett eigenständig voran und inkludiert weitere Schutztypen und -geräte. Unsere Expert:innen stehen auch in dieser Phase zur Verfügung und unterstützen bei Bedarf. Wenn Schutzprüfen wieder Spaß macht Die sehr guten Ergebnisse haben gezeigt, wie hoch die Motivation in den Arbeitsgruppen war, mitanzupacken und etwas zu verändern. Besonders hat uns gefreut, dass der Erfahrungsaustausch und das Wissen das wir weitergeben konnten, die Unsicherheit bei der täglichen Arbeit reduziert hat. Laut Christian Schumacher ist auch der Spaß beim Schutzprüfen unter den Mitarbeiter:innen wieder deutlich zu spüren. Und nicht zuletzt haben das Projekt und der Einsatz von ADMO dazu geführt, dass mit Schutz-, Prüf- und Parametrierdaten bei BASF bewusster umgegangen wird. Bis zur Erreichung des Netto-Null-Ziels sind es noch etliche Jahre. Für die kommenden Herausforderungen ist BASF mit der neuen Daten- und Prüfstrategie jedoch schon heute gut gerüstet. 13

Magazin | Ausgabe 1 2024 Wenn sich das große Eingangstor zum OMICRON Service Hub in Klaus, Österreich öffnet und in einer geschmeidigen Bewegung nach oben fährt, erinnert es beinahe an einen schweren Bühnenvorhang. Zugleich strömen zahlreiche gelbe Boxen auf die als Laderampe getarnte Tanzfläche und nehmen ihre Positionen ein. Der Choreograf dieses Prüfgeräte-Balletts heißt Roman Novak und zusammen mit seinem Team bringt er diese Show jetzt auf Welttournee. Als Anfang 2021 der erste OMICRON Service Hub an unserem Hauptsitz in Klaus eröffnete, war zwar weder Tschaikowski zu hören noch zählte jemand mit dem berühmten „Und einszwei-drei …“ den Takt mit. Dennoch gleicht die Präzision, mit der sämtliche Prozesse geplant und koordiniert wurden, einer komplexen Choreografie. Alles musste perfekt aufeinander abgestimmt sein, sodass ein effizienter und reibungsloser Gesamtablauf entstehen konnte. Ziel dieses Unterfangens war es, einen One-Stop-Shop für sämtliche Service- und Reparaturanfragen zu schaffen. Gleichzeitig sollten das Hub-Design und die Learnings aus diesem Pilotprojekt als Blaupause für weitere Standorte dienen. Knapp drei Jahre später ist die Testphase abgeschlossen und das Service-HubKonzept wird weltweit ausgerollt. SCHWANENSEE MIT PRÜFGERÄTEN Wir eröffnen weltweit neue Service Hubs für Sie. Fokus auf Servicequalität „Eines der wichtigsten Ziele bei der Konzeption der Service Hubs war es, Service-­ Aufträge schneller und effizienter abwickeln zu können. Um das zu ermöglichen, mussten die Hubs vollkommen unabhängig vom Tagesgeschäft agieren. Auch unternehmensweite Großprojekte sollten keine Auswirkungen auf die Hubs haben, sodass unsere Kund:innen stets gleichbleibende Servicequalität erwarten können“, erzählt Roman, Verantwortlicher des Service Hubs in Klaus. „Wir arbeiten autonom. Unser Team kümmert sich nicht nur um die technische Durchführung aller Services, sondern auch um die gesamte Abwicklung. Von der Auftragsabklärung bis zur Logistik – egal, ob es sich um eine Kalibrierung, eine Adjustierung, eine Reparatur oder einen individuellen Service-Auftrag handelt. Auch um Rückfragen kümmern wir uns selbst. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass ein Prüfgerät ohne Fehlerbeschreibung bei uns eintrifft. Dann halten wir Rücksprache mit den Kund:innen, um das Gerät so schnell wie möglich wieder einsatzfähig zu machen. Von ihrer Ankunft bis zum Rückversand verbringen Geräte durchschnittlich fünf Werktage bei uns im Hub.“ Globaler Standard, lokaler Service Ermöglicht wird diese rasche Serviceleistung vor allem durch gezielte Standardisierung. Wie bei einer gut durchdachten 14

»Eines der wichtigsten Ziele bei der Konzeption der Service Hubs war es, Service-Aufträge schneller und effizienter abwickeln zu können.« Roman Novak, Process Manager, OMICRON 15

Bühnenperformance folgt jeder Serviceauftrag einem präzise geplanten Ablauf. Neben den Prozessen wurden auch die Arbeitsplätze standardisiert. In jedem Service Hub der Welt stehen Mitarbeitenden die gleiche Infrastruktur und das gleiche Equipment zur Verfügung – die gleichen Werkzeuge, die gleiche Software und natürlich auch die gleichen Ersatzteile. Unabhängig davon, ob ein Teammitglied im Service Hub Klaus, im Ende letzten Jahres eröffneten Service Hub in Houston oder in einem der zukünftigen Hubs in Asien oder Australien arbeitet, es soll sich immer wie ein Heimspiel anfühlen. Neben der Standardisierung spielen natürlich auch die zukünftigen Standorte eine signifikante Rolle bei der Optimierung von Servicezeiten. So müssen beispielsweise Prüfgeräte zur Adjustierung nicht mehr nach Klaus geschickt werden, sondern können direkt vor Ort geeicht werden. Zu diesem Zweck werden alle Service Hubs mit klimakontrollierten Räumen inklusive Multi-Test-Towern ausgestattet. Vernetzung unter den Hubs Auch wenn die Service Hubs autonom agieren, stehen sie dennoch in enger Verbindung zueinander. „Die Hubs sind untereinander vernetzt und es findet ein regelmäßiger Wissens- und Erfahrungsaustausch statt. Das heißt, wenn ein Problem an einem Standort gelöst wurde, profitieren die anderen von dieser Erfahrung und müssen keine eigenen Lösungen ausarbeiten“, gibt Roman Einblick in die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Service-Hub-Locations. „Unterm Strich können wir sagen, dass das Pilot-Projekt in Klaus ein voller Erfolg war und das Konzept mit der Eröffnung des Service Hubs in Houston seine Bewährungsprobe bestanden hat. Nun freuen wir uns schon darauf, weitere Standorte zu eröffnen und die Servicequalität weiter auszubauen.“ »Unterm Strich können wir sagen, dass das Pilot-Projekt in Klaus ein voller Erfolg war und das Konzept mit der Eröffnung des Service Hubs in Houston seine Bewährungsprobe bestanden hat.« Roman Novak, Process Manager, OMICRON 16

Magazin | Ausgabe 1 2024 Service Hub Backstage-Pass Damit Sie einen Blick hinter die Kulissen des Service Hubs in Klaus werfen können, haben wir ein kurzes Service-Hub-­ Vorstellungsvideo für Sie vorbereitet. Scannen Sie einfach den QR-Code und schon dürfen Sie sich im Backstage-Bereich der Show umsehen. omicron.energy/whatsup-at-service-hub 17

In Stromversorgungssystemen sind Verdrahtungsfehler eine häufige Ursache für das Versagen von Schutzsystemen. Um dieser Gefahr zu begegnen, ist eine sorgfältige Prüfung bei der Inbetriebnahme und nach Wartungsarbeiten unerlässlich. Dies ist eine zeitaufwändige Arbeit, da in den Anlagen durch Wandlerverdrahtung, Auslösesignale, Verriegelungen, Fernwirktechnik usw. schnell Hunderte von Verbindungen zusammenkommen. Für die Prüfung der Wandlerverdrahtung steht mit CPOL2 bereits ein erprobtes und flexibles Verfahren zur Verfügung, das im Gegensatz zur häufig verwendeten „Batteriemethode“ durch das DC-freie Sägezahnsignal nicht zur Magnetisierung von Stromwandlern führt. Doch der Trend zu immer mehr Schutz- und Fernwirktechnik hält an und damit steigen auch die Komplexität der Verdrahtung und die Herausforderungen bei der Prüfung. Um hier Abhilfe zu schaffen, haben wir unser neues Polaritätsprüfgerät CPOL3 entwickelt. Das Gerät kann – so wie CPOL2 – sägezahnförmige Polaritätsprüfsignale erfassen und jetzt neu: zusätzlich auch DC- und AC-Signale. CPOL3 erweitert somit die bewährte Funktionalität des Vorgängers um einige hilfreiche Neuerungen. SEHEN UND VERSTEHEN Mehr Durchblick mit CPOL3 bei der Verdrahtungsprüfung. Anzeige bei richtiger Polarität des Prüfsignals „Oszilloskop“-Modus zur Anzeige der Signalform Anzeige bei falscher Polarität des Prüfsignals Spektrum-Modus (FFT) zur Erkennung eingekoppelter Signale 18

Magazin | Ausgabe 1 2024 Das sind die Neuerungen › Anzeige der True-RMS-Spannung zusätzlich zur Polarität › „Oszilloskop“-Modus zur Anzeige der Signalform › Modus mit niedriger Eingangsimpedanz (LoZ) zur Unterdrückung eingekoppelter Signale › Blickwinkelunabhängiges OLED-Display mit hohem Kontrast für beste Ablesbarkeit › CPOL3 unterstützt schon jetzt die Anzeige von Phaseninformationen zukünftiger Prüfsoftware Vielseitig einsetzbar Mit CPOL3 in Verbindung mit einem unserer Prüfgeräte wie z. B. COMPANO 100, CMC 353 oder CMC 356, können Sie mehrere Aspekte einer Verdrahtungsprüfung elegant kombinieren: 1 Während der Prüfung, speisen Sie ein sägezahnförmiges Prüfsignal auf der Primärseite A oder der Sekundärseite B des Strom- oder Spannungswandlers ein. Die Primäreinspeisung ist möglich, da diese Signalform über Strom- und Spannungswandler übertragen wird. 2 Bei richtiger Polarität zeigt Ihnen CPLO3 ein fröhliches grünes Gesicht. Sie können das Signal auch im „Oszilloskop“-Modus darstellen und sehen dann einen Sägezahn, der schnell ansteigt und langsam abfällt. X An dieser Position auf der Sekundärseite liegt ein Verdrahtungsfehler vor. 3 Der Verdrahtungsfehler führt zu einer Polaritätsumkehr und CPOL3 zeigt Ihnen ein trauriges rotes Gesicht. Sie können die falsche Polarität auch am umgekehrten Signal im „Oszilloskop“-Modus erkennen. 4 CPOL3 zeigt Ihnen neben der Polarität auch die gemessene Spannung auf dem Display an. Je näher an der Bürde gemessen wird, desto kleiner ist die Schleifenimpedanz und desto kleiner ist die angezeigte Spannung. So können Sie die Klemmenbelegung einfach durch Spannungsvergleich prüfen und zusätzlich die Bürde überschlägig ermitteln. Lassen Sie sich das nicht entgehen! Die Kombination der Polaritätsprüfung mit zusätzlichen Informationen durch Spannungsmessung und der Signalanzeige ermöglicht eine effiziente Erkennung der häufigsten Verdrahtungsfehler. Das spart Zeit bei der Prüfung und erhöht gleichzeitig die Sicherheit Ihrer Anlage. Verdrahtungsprüfung mit CPOL3 HIER ERFAHREN SIE MEHR ÜBER CPOL3 omicronenergy.com/cpol3 CT P2 S2 P1 S1 B A 4 3 2 1 X Prüfgerät Prüfschalter Relais oder Zähler Bürde 19

UNSERE CYBERSICHERHEIT IST AUSGEZEICHNET Wir erhalten das Sicherheitszertifikat des BSI. 20

Magazin | Ausgabe 1 2024 Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat uns die Beschleunigte Sicherheitszertifizierung (BSZ) verliehen. StationGuard ist damit das erste Angriffserkennungssystem, das dieses Zertifikat erhält. Das BSZ-Zertifikat belegt die von StationGuard erbrachte Sicherheitsleistung sowie die Erfüllung der hohen BSI-Anforderungen an die Cybersicherheit. Dieser Meilenstein bestätigt die Sicherheitsleistung unseres Systems unter Einhaltung aller gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorgaben. Was bedeutet der Erhalt des IT-Sicherheitszertifikats für unsere Kund:innen? Kund:innen auf der ganzen Welt dürfen sich auf höchste Qualität und Sicherheit unserer Cyber-Security-Lösung verlassen. StationGuard erfüllt die vom BSI geforderten Sicherheitsfunktionalitäten, die anhand des vorgesehenen Verfahrens durch vier Prüftätigkeiten bestätigt wurden: › Prüfung der Installationsdokumentation › Prüfung der Konformität › Penetrationstestung › Bewertung der Implementierung kryptografischer Algorithmen Wir wissen, dass jedes Netzwerk einzigartig ist. Daher arbeiten wir eng mit unseren Kund:innen zusammen, um maßgeschneiderte Lösungen bereitzustellen und die Cybersicherheit zu erhöhen. Nur mit einem hocheffektiven Schwachstellen-­ Management und einer genauen Risikobewertung kann Cybersicherheit erreicht werden. Effektive Angriffserkennung und Verwaltung: StationGuard und GridOps setzen neue Standards Auch unabhängig von der Verleihung des BSZ optimieren wir kontinuierlich unsere Lösungen im Einklang mit den Anforderungen der Energiewirtschaft. So bietet die StationGuardErweiterung GridOps eine optimale Verwaltungsschnittstelle für die StationGuard-Sensoren im Netz, womit sie alle gelieferten Daten sammeln und unmittelbar analysieren können. Im Funktionsüberblick bedeutet dies: › StationGuard Das System zur Angriffserkennung (SzA) StationGuard erfasst detaillierte Daten zu jedem Betriebsmittel. Der innovative Allowlist-Ansatz ermöglicht eine zeitnahe und präzise Erkennung von Angriffen, reduziert Fehlalarme und gewährleistet eine schnelle Einsatzbereitschaft. Alle Alarme sind für OT- und IT-Mitarbeiter:innen verständlich dargestellt, was eine reibungsfreie Zusammenarbeit begünstigt. › GridOps GridOps bietet eine umfassende Betriebsmittel-Inventarisierung, ein Alarm-Dashboard, Sensorenverwaltung, zentralisierte Benutzer:innenverwaltung und SchwachstellenManagement mit umfangreichem Reporting. Kund:innen sehen nur die für sie relevanten Schwachstellen für rasche und effiziente Reaktionen. DER PODCAST ZUM THEMA Sie finden das Thema interessant? Wie genau unterstützt die StationGuard-Lösung die Arbeit von IT- und OTExpert:innen? Wissen Sie, warum ein effektives Schwachstellen-Management und eine lückenlose Risikobewertung für die Cybersicherheit so wichtig sind? In unserer Podcast-Episode „Vulnerability Management in Substations and Power Plants“ erfahren Sie mehr darüber und auch, wie StationGuard die Arbeit der IT- und OTExpert:innen darüber hinaus unterstützt. Scannen Sie den QR-Code oder besuchen Sie: omicron.energy/episode71-en 21

Der türkische Übertragungsnetzbetreiber TEİAŞ nutzt im Rahmen seiner ganzheitlichen Herangehensweise an die Bewertung des Isolationszustands von Leistungstransformatoren sowohl in der Reparaturwerkstatt als auch im Feld MONTESTO 200. Einführung Leistungstransformatoren gehören zu den wichtigsten Hochspannungsbetriebsmitteln des Stromnetzes. Sie sind die Schlüsselelemente in Erzeugungs-, Übertragungs- und Verteilungsnetzen sowie in Industrieanlagen. Der Bestand an Leistungstransformatoren wird weltweit immer älter. Daher ist es wichtig, durch kontinuierliches Prüfen der verschiedenen Komponenten den Isolationszustand dieser Transformatoren im Auge zu behalten. Nur so kann ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet werden. Ein Leistungstransformator ist während seines Lebenszyklus zahlreichen Stressfaktoren ausgesetzt – von Umwelt- und Lastbedingungen über eine hohe elektrische Beanspruchung und mechanische Vibrationen bis hin zu chemischen Verunreinigungen. Ohne einen Plan für regelmäßige Diagnoseprüfungen und Wartungsarbeiten kann es zu unentdeckten Fehlern in der Isolation kommen, die die Lebensdauer des Leistungstransformators verkürzen können. Bewerten des Zustands der Isolation von Leistungstransformatoren Für die Prüfung des Isolationszustands von Leistungstransformatoren wird in der Regel eine ganzheitliche Herangehensweise gewählt, die Gas-in-Öl-Analysen (DGA), verschiedene elektrische Prüfungen, eine dauerhafte Überwachung und Sichtprüfungen umfasst. Die Ergebnisse der DGA des Isolieröls werden als erstes Alarmsignal für Probleme verwendet, die in ölgefüllten Leistungstransformatoren auftreten können. Von der Norm abweichende Werte bei bestimmten Gasen können auf potenzielle Probleme hinweisen und zu zusätzlichen Untersuchungen führen, bei denen mittels elektrischer Prüfungen, des fortlaufenden Monitorings und einer direkten Sichtprüfung im Inneren des Transformators sich ausweitende Kurzschlüsse identifiziert und geortet werden. WIE VORGEHEN, WENN BEI LEISTUNGSTRANSFORMATOREN ISOLATIONSFEHLER VERMUTET WERDEN? 22

Magazin | Ausgabe 1 2024 Zur Bewertung und Diagnose des Isolationszustands von Leistungstransformatoren kommen mittlerweile eine Reihe von innovativen Prüf- und Diagnoseverfahren zum Einsatz. Beispiele dafür sind die dielektrische Frequenzantwortmessung (DFR), die Sweep Frequency Response Analysis (SFRA) und das Prüfen und Monitoring von Teilentladungen. Auf diese Weise lassen sich bestimmte Fehler aufspüren, die mit konventionellen Prüfmethoden nicht gefunden werden. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das Prüfen und Monitoring von Teilentladungen (TE). Teilentladungsprüfungen an Leistungstransformatoren Laut der Norm IEC 60270 sind Teilentladungen lokale dielektrische Durchschläge in einem kleinen Teil eines festen oder flüssigen elektrischen Isolationssystems bei hoher Spannungsbeanspruchung. Teilentladungen sind ein zuverlässiges Anzeichen dafür, dass sich in der Isolation eines elektrischen Betriebsmittels Fehler entwickeln. Gleichzeitig beschleunigen sie das Nachlassen der isolierenden Eigenschaften. Aus diesem Grund ist das Messen und Monitoring von Teilentladungen ein wichtiger Bestandteil der Bewertung des Isolationszustands von elektrischen Betriebsmitteln, wie z. B. von Leistungstransformatoren, damit deren Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit aufrechterhalten werden kann. Das Messen von Teilentladungen beginnt bei Leistungstransformatoren bereits im Werk und gehört dort zur Qualitätskontrolle. Dabei wird der Zustand der Transformatorisolation anhand festgelegter Akzeptanzkriterien bewertet. Während der Inbetriebnahme finden TE-Messungen statt, um zu prüfen, ob die Isolation beim Transport und bei der Installation der Leistungstransformatoren unbeschädigt geblieben ist. Schließlich finden auch während der Hinweis auf steigende Wasserstoffwerte (H2) nach Durchführung einer DGA an einem 3-phasigen 154/31,5 kV-Leistungstransformator (100 MVA) »Nach dem Öffnen des Transformators zur Sichtprüfung wurde deutlich, dass unsere Vermutungen nach den Ergebnissen der TE-Prüfung richtig waren.« Mükremin Yanan, Chief Engineer, TEİAŞ Turkish Electricity Transmission Corp. CO 0 20 40 60 80 100 % H2 CH4 C2H6 C2H4 C2H2 TE T1 T2 20 40 60 80 80 60 40 20 20 40 60 80 T3 E2 E1 ET % CH % C H % C H E1 Entladungen mit geringer Energie E2 Entladungen mit hoher Energie ET Kombination aus Entladungs- und thermischen Fehlern S Streugase T1 Thermische Fehler (<300 °C) T2 Thermische Fehler (300–700 °C) T3 Thermische Fehler (>700 °C) TE Teilentladungen C H C H C H CH H TE S E1 E2 T2 T3 T1 23

Nutzungsdauer regelmäßig TE-Messungen statt und die TE werden kontinuierlich überwacht, um potenzielle Fehler erkennen und orten zu können. Angesichts dessen, dass Teilentladungen ein zuverlässiges Anzeichen für die Alterung der Isolation und sich dort ausweitende Kurzschlüsse sind, haben viele Energieversorger in der ganzen Welt Wartungsprogramme aufgelegt, die auf regelmäßigen TE-Prüfungen und das Monitoring von TE bei ihren Leistungstransformatoren basieren. So können Korrekturmaßnahmen ergriffen werden, bevor ein sich ausweitender Kurzschluss letztlich zum Ausfall des Betriebsmittels führt. TE-Prüfung, Inspektion und Reparatur eines 100 MVA-Transformators Als Chief Engineer beim türkischen Übertragungsnetzbetreiber TEİAŞ bin ich für die Evaluierung von Feldprüfungen und die Entwicklung von Prüfmethoden zuständig. Mein Team und ich haben eine ganzheitliche Herangehensweise an Zustandsbewertungen und einen robusten Wartungsplan für unsere Betriebsmittel im Netz, insbesondere für unsere Leistungstransformatoren, entwickelt. Leistungstransformatoren im Feld, bei denen potenzielle Kurzschlüsse erkannt werden, werden außer Betrieb genommen und an unser zentrales Reparaturwerk in Ankara geschickt. Mittelgroße und große Leistungstransformatoren werden im Hochspannungslabor unseres Reparaturwerks geprüft und diagnostiziert, um festzustellen, ob Reparatur- und Überholungsarbeiten nötig sind, um den zuverlässigen Betrieb der Transformatoren sicherzustellen. In einem Fall führte unser Prüfteam im Feld eine DGA an einem 3-phasigen 154/31,5-kV-Leistungstransformator (100 MVA) durch, der seit 1996 in Betrieb ist. Dabei wurde eine kontinuierliche Zunahme der Gase Wasserstoff (H2) und Methan (CH4) festgestellt, Es wurden verschiedene 3PARD-Diagramme aufgezeichnet, die auf mehrere potenzielle TE-Quellen hinwiesen. 3PARD-Diagramme vor und nach dem Herstellen des Vakuums, die auf Hohlräume im Isolationsmaterial hinweisen könnten. Dieses PRPD-Diagramm kommt dem Diagramm für Hohlräume im Klebstoff in CIGRE 676 sehr nahe. Karbonisierungsspuren an verschiedenen Komponenten. 24

Magazin | Ausgabe 1 2024 was auf potenzielle TE-Aktivität und einen Schaden an der Isolation im Transformator schließen ließ. Aufgrund des Anstiegs bei den Gaswerten nahmen wir den Transformator vom Netz und schickten ihn zur weiteren Inspektion und Reparatur an unser zentrales Reparaturwerk. Dort führten unsere Prüfingenieur:innen im Hochspannungslabor verschiedene elektrische Prüfungen durch, darunter auch eine dielektrische Frequenzantwortmessung (DFR). Dabei wurde nichts gefunden, was den Verdacht auf TE-Aktivität bestätigten konnte. TE-Prüfung fand mehrere TE-Quellen Im nächsten Schritt wurden verschiedene TE-Prüfungen mit dem OMICRONSystem für das temporäre TE-Monitoring MONTESTO 200 durchgeführt. Die TEPrüfungen fanden über längere Zeiträume bei unterschiedlichen Mittenfrequenzen und Bandbreiten statt, um einen möglichst optimalen Signal-Störabstand zu erzielen. Die dabei erkannten Muster deuteten klar auf eine hohe TE-Aktivität mit verschiedenen Quellen hin. In den 3PARD-Diagrammen (3-Phase Amplitude Relation Diagrams), die Bestandteil des Funktionsumfangs der MONTESTO 200-MonitoringSoftware sind, konnten unsere Prüfingenieur:innen viele Cluster erkennen, was auf das Vorhandensein mehrerer potenzieller TE-Quellen im Transformator hindeutete. Diese konnten für eine Einzelanalyse separiert werden. Analysieren verschiedener 3PARD-Cluster Bei Anwendung der 3PARD-Filter auf einige Cluster, die um die drei Phasen herum angezeigt wurden, zeigten sich symmetrische Entladungen um den Nulldurchgang herum, wie sie für ein vorherrschendes PRPD-Muster (PhaseResolved Partial Discharge) typisch sind. Die Form des Musters deutete darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um Hohlräume im Isolationsmaterial, möglicherweise im Öl, handelte. Aber auch nach Herstellen des Vakuums, um das Öl aus dem Transformatorkessel zu entfernen, waren im selben PRPD-Diagramm dieselben Entladungen zu sehen. Das bedeutete, dass sich die Hohlräume an oder innerhalb der festen Isolation befanden. Andererseits kommt dieses PRPD-Diagramm dem Diagramm für Hohlräume im Klebstoff nach CIGRE 676 sehr nahe. Außerdem war bei der 3PARD-Filterung sehr deutlich eine weitere TE-Quelle zu erkennen, die höchstwahrscheinlich auf Karbonisierung an der Pressboard-­ Barriere zurückzuführen war – vor allem im Bereich der Phase W, aber auch in den anderen Phasen. Beim Filtern anderer Cluster kam noch eine andere Art von Teilentladung zum Vorschein, die mit schwebenden Metallpartikeln um die Phasen U und V zusammenhing. Sichtprüfung bestätigt Ergebnisse der TE-Prüfung Angesichts der Ergebnisse der TEPrüfung wurde beschlossen, den Transformator zu öffnen und die vermuteten beschädigten Komponenten im Rahmen einer Sichtprüfung zu identifizieren. Nach dem Öffnen des Transformators wurde deutlich, dass unsere Vermutungen nach den Ergebnissen der TE-Prüfung richtig waren. Das Ausmaß des Schadens war deutlich zu erkennen. Das Entfernen des Öls aus dem Kessel förderte viele Kupferstaubpartikel zutage, die sich an verschiedenen Stellen im Transformator abgesetzt hatten. Diese Kupferstaubpartikel waren wahrscheinlich die Metallpartikel, die im zirkulierenden Öl schwebten. Darüber hinaus wurden in fast allen Phasen (HS grob, HS fein, NS grob) an den Pressboards und Keilen Karbonisierungsspuren gefunden. Außerdem fand unser Inspektionsteam auf der Oberseite der grobabstimmenden Wicklungen der Phasen B und C viele Spuren von beschädigtem und verbranntem Klebstoff. Der Transformator wurde dann in unserem Reparaturwerk repariert. Alle beschädigten Teile wurden durch neue Komponenten und Materialien ersetzt. TE-Monitoring bestätigt den Reparaturerfolg Nach Abschluss der Reparaturarbeiten wurden im Hochspannungslabor unseres Reparaturwerks weitere TE-Prüfungen durchgeführt. Dabei wurde keine verdächtigte TE-Aktivität gefunden. Nach der Wiederinbetriebnahme wurde der Transformator über viele Monate hinweg kontinuierlich auf TE überwacht, wobei dasselbe Monitoringgerät MONTESTO 200 verwendet wurde, das auch im Reparaturwerk zum Einsatz kam. Bei dieser Überwachung konnte keine weitere TE-Aktivität festgestellt werden, die auf noch vorhandene oder sich ausweitende Kurzschlüsse im Transformator hingedeutet hätte. Das war für uns der Beweis, dass die Reparaturarbeiten erfolgreich waren. Der Transformator tat wieder zuverlässig seinen Dienst. HIER ERFAHREN SIE MEHR ÜBER MONTESTO 200 omicronenergy.com/montesto200 25

Ob beim Kauf eines neuen Autos, beim Hausbau oder beim Versuch, eine Videospielkonsole zur Lockdown-Beschäftigung zu bekommen – spätestens seit Anfang 2021 spüren wir im Alltag, wie der Chipmangel die Weltwirtschaft beeinflusst. Natürlich hatte die Krise auch Auswirkungen auf die Energiebranche. Ungewisse Verfügbarkeit, astronomische Preise sowie unsichere Auslieferungszeiträume stellten auch uns vor bisher ungekannte Herausforderungen. Mittlerweile sind unsere Lieferzeiten längst wieder auf Vor-KrisenNiveau. Hier berichten wir Ihnen, wie uns das gelungen ist und was das für zukünftige Bestellungen bedeutet. Ursachen und Folgen des Komponentenmangels Die Ursachen für die Komponentenkrise waren und sind vielseitig. Teilweise können sie auf die Covid-Pandemie zurückgeführt werden, teilweise werden sie durch andere welt- und gesellschaftspolitische Ereignisse beeinflusst, was zu einer dementsprechend komplexen Situation führt. › Lockdowns haben die Produktion vielerorts immens eingeschränkt. › Der stark erhöhte Bedarf an Unterhaltungselektronik und HomeofficeEquipment sorgte für eine immense Nachfrage bei Halbleiter-Bauteilen. › Der während der weltweiten Lockdowns zum Erliegen gekommene Passagierverkehr grenzte Frachtkapazitäten weiter ein und ließ Versandkosten steigen. › Der Russland-Ukraine-Konflikt verschärfte die Herausforderungen für die DIE VIELFALT DES MANGELS Auswirkungen der Komponentenkrise auf die Energiebranche. 26

Magazin | Ausgabe 1 2024 Lieferkette in bestimmten Sektoren weiter und es kam zu Einschränkungen bei Lieferungen von Metallen, Lebensmitteln, Chemikalien und anderen Rohstoffen. › Auch die steigende Beliebtheit von E-Autos wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Komponenten aus, da diese wesentlich mehr elektronische Bauteile benötigen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Folge waren ungewisse und unzuverlässige Lieferzeiten sowie ein Preisanstieg von teilweise über 400 %. Wir waren gezwungen, Bauteile über neue Bezugskanäle zu beschaffen, was neben astronomischen Preisspannen auch mit einem Qualitätsrisiko verbunden war und daher bei jeder Lieferung zusätzliche Qualitätssicherungstests nach sich zog. Nachhaltiger Umgang mit der Knappheit Für uns stand von Anfang an fest, dass man dieser Herausforderung mit einem nachhaltigen Konzept begegnen muss, welches aber gleichzeitig schnelle Lösungen liefert, auf die Anforderungen unserer Kund:innen eingeht und gleichbleibende Qualität gewährleistet. Um diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde ein interdisziplinäres Shortfall-Panel gegründet. Zweck des Panels war es, die Situation zu überwachen, über bestimmte kritische Aufträge und Ausschreibungen zu entscheiden, zusätzliche Lieferzeitoptimierungen zu ermöglichen sowie eine schnelle und lückenlose Kommunikation mit unseren Kund:innen und Sales-Partner:innen sicherzustellen. Ziele: Lieferzeiten verkürzen und Qualität sichern Das Ziel des Shortfall-Panels war klar: Lieferzeiten so kurz wie möglich halten »Es stand fest, dass wir rasche und gleichzeitig zuverlässige Lösungen brauchen. Dabei war uns klar, dass dies nur mit einem hohen Investment umsetzbar sein wird.« Johannes Malin, Shortfall-Panel Lead, OMICRON 27

und dabei keine Kompromisse bei der Qualität eingehen. Dazu wurden gleich mehrere Maßnahmen in Angriff genommen: Aufstockung des Lagerbestandes Der erste und naheliegendste Schritt war natürlich die Aufstockung des Lagerbestandes bei allen Bau- und Ersatzteilen. In diesem Punkt hatten wir einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Unternehmen, da wir bei elektronischen Komponenten langjährige Partnerschaften mit unseren Distributoren und oft auch direkt mit Herstellern pflegen. Außerdem beziehen wir einen signifikanten Teil unserer Mechanikkomponenten sowie Zubehörartikel von regionalen Herstellern. Das machte uns zum Teil unabhängig von weltweiten Engpässen und Transportproblemen. Bauteile, die über unsere Distributoren nicht verfügbar waren oder für uns zu lange Lieferzeiten hatten, kauften wir parallel auf anderen Beschaffungsmärkten zu teils wesentlich höheren Preisen ein. Diese Bauteile wurden vor dem Einsatz in der Serienproduktion intensiven Qualitätstests unterzogen und halfen uns somit, überwiegend lieferfähig zu bleiben. Um auch entsprechende Lagerkapazitäten zu schaffen, wurde gleichzeitig in 21 000 m2 zusätzliche Lagerflächen investiert. Auftragsspezifische Bedarfsermittlung Doch trotz der Lageraufstockung konnten auch wir Engpässe nicht ganz verhindern. Das hatte zur Folge, dass wir manchmal dennoch Lieferzeiten anpassen sowie Bestellungen bewerten und priorisieren mussten. Dazu entwickelte das Shortfall-Panel einen Prozess, der uns die Möglichkeit gab, spezielle Aufträge mit einer höheren Priorität zu bearbeiten – beispielsweise in Notsituationen nach Naturkatastrophen oder bei systemrelevanten Anwendungsfällen. Lückenlose, transparente Kommunikation Von ebenso entscheidender Bedeutung war die Kommunikation der jeweils aktuellen Lieferzeiten mit unseren Kund:innen und Sales-Partner:innen. Ein kontinuierlicher Dialog ermöglichte es uns, individuelle Bedürfnisse zu verstehen, auf diese einzugehen und Erwartungen zu managen. So war es möglich, realistische Lieferzeitschätzungen vorzunehmen und Zusagen einzuhalten. Nachhaltige Sicherstellung der Verfügbarkeit Neben der raschen Verkürzung der Lieferzeiten war auch eine nachhaltige Reduktion potenzieller Verzögerungsfaktoren vorgesehen. Dazu wurden Produktionsprozesse analysiert und optimiert. Ein speziell dafür zusammengestelltes Team wurde mit der Aufgabe betraut, Alternativen zu schwer verfügbaren Bauteilen zu suchen und proaktiv unsere Produkte so zu überarbeiten, dass bei gleicher Qualität und Funktion verschiedene Bestückungen möglich wurden. Gängigere Bauteile fanden ihren Weg in unsere Produkte. Dadurch soll die Verfügbarkeit auch in zukünftigen herausfordernden Marktsituationen sichergestellt werden. Erfolgreiche Normalisierung der Lieferzeit Durch den gemeinsamen Einsatz aller beteiligten Teams sowie großen Investments an Zeit und natürlich auch Geld wurden Lieferzeiten stetig verkürzt und über 95 % unserer Produkte werden wieder im vor-Krisen-üblichen Zeitrahmen von vier Wochen oder weniger geliefert. 28

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